.:: Ökumene in Berolzheim
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Jahrhunderte lang nach der Reformation gab es in Berolzheim nur eine Konfession: die evangelisch-lutherische. Das Prinzip "cuius regio, eius religio" (wessen Landesherr, dessen Religion) galt auch in der Markgrafschaft Ansbach, zu der wir gehörten. Seit 1530 wurde in St. Maria evangelisch gepredigt, Jahrzehnte später auch in St. Michael.

Seit unser Dorf zu Bayern gehörte und dort allgemeine Religionsfreiheit galt, gab es vermehrt auch Katholiken. In größerer Zahl wurden sie bei uns aber erst infolge der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg bei uns heimisch. Viele wechselten in der Folge, vor allem aus Gründen der Eheschließung, die Konfession. Nachdem die katholischen Mitbürger Berolzheims zunächst in unserer St. Maria Gast waren, bauten sie später mit St. Hedwig ein eigenes Gotteshaus.

Manches an Begegnungen ist mittlerweile selbstverständlich geworden. Gemeinsame Gottesdienste bei Festen im Dorf, Trauungen unter Beibehaltung der Konfessionen oder Einweihungsrituale z.B. vom Feuerwehrhaus. Auch gemeinsame, teils recht gut besuchte Bibelwochen standen in der Vergangenheit bereits auf dem Programm und wie es aussieht wird im Herbst wohl wieder eine statt finden. Aber nicht nur von oben, sondern auch mitten aus den Gemeinden kam die Ökumene: Bei den Ausflügen der katholischen Gemeinde waren gerne und oft auch Mitglieder unserer evangelischen Gemeinden dabei, ebenso bei den Kaffekränzchen in St. Hedwig. Auf der anderen Seite wären Katholiken aber auch bei den Seniorennachmittagen im ev. Bischof-Meiser-Haus stets willkommen gewesen, und sind es natürlich ab Herbst auch wieder. Vor einigen Wochen tagte auch der Kirchenvorstand der beiden ev. Gemeinden zusammen mit dem katholischen Pfarrgemeinderat (siehe Bilder).

Christen, denen das Bekenntnis unserer Kirche nicht gleichgültig ist, fragen daher immer stärker: Gibt es überhaupt noch Unterschiede? Was eint, was trennt uns? Es gibt in der Tat vieles, das uns verbindet. Die Grundlage der Gemeinsamkeit ist die wechselseitige Anerkennung der Taufe. Darüber hinaus gibt es die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes und der Göttlichkeit und Menschlichkeit Jesu groß Übereinstimmung. Das gemeinsame Vaterunser und das - mit Ausnahme eines Wortes in der Deutschen Übersetzung - gemeinsame Glaubensbekenntnis sind weitere Zeichen der Verbundenheit. Eine breite Basis der Gemeinsamkeiten also.

Wer auf das blickt, was schon erreicht ist, wird dankbar sein, dass wir zusammen beten und auf das Wort Gottes hören können. Andere Christen aber blicken auf das, was nicht möglich ist: die gemeinsame Feier des Heiligen Abendmahles. Die Menschenkette zwischen dem Liebfrauendom und der St. Matthäus Kirche beim ökumenischen Kirchentag in München war ein Zeichen für diese Unzufriedenheit und Sehnsucht.

Sollen wir uns nun mehr über das freuen, was wir gemeinsam haben, oder eher trauern über das, was uns an Einigkeit fehlt? Wir dürfen und sollten dankbar sein über das, was wir zusammen tun können. Wir dürfen miteinander und füreinander beten und uns auf die Vollendung in der Ewigkeit freuen, in der alles Trennende ein Ende haben wird. Bis dahin dürfen wir in Aufrichtigkeit und Liebe einander begegnen.


 
 
       
 

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